OK-Chef Jürg Hintermeister verteidigt das Stadtfest in Bülach und geht in die Offensive: Das Budgetdefizit sei kein Skandal, sondern ein vertretbarer Preis für ein sicheres und kostenloses Fest, das die ganze Stadt bewegt habe.
Rund 80'000 Menschen kamen Ende August ans Büüli-Fäscht, feierten auf vollen Strassen, tanzten vor Bühnen, genossen Kulinarik und Gemeinschaft. Wochen später geht es nicht mehr um Emotionen, sondern ums Geld. Denn nach der Abrechnung steht ein Defizit von 88'000 Franken in den Büchern des OK – und damit auch Kritik im Raum.
Für Hintermeister ist klar: Diese Debatte verfehlt den Kern. Das Defizit sei ursprünglich noch deutlich höher gewesen, rund 140'000 Franken. Dank Nachverhandlungen und zusätzlicher Einnahmen habe der Verein es massiv senken können. Ausserdem habe man dem Stadtrat angeboten, die Lücke selbst zu decken – mit einem Vorbezug für das nächste Fest im Jahr 2030. So wäre die Stadt gar nicht finanziell belastet worden.
Doch der Stadtrat entschied sich anders. Er sprach dem Verein ein zinsloses Darlehen von 90'000 Franken zu, also 30'000 Franken weniger als beantragt. Das Geld soll die Liquidität des Vereins sichern, bis das Parlament über einen Zusatzkredit entscheidet. Dabei hält der Stadtrat in seinem Beschluss fest, dass der Verein das Darlehen voraussichtlich nicht zurückzahlen könne. Eine Aussage, die für weiteren Unmut sorgte und mit der vorgeschlagenen Variante des Vereins Büüli Fäscht nicht zum tragen gekommen wäre.
Hintermeister hingegen bleibt sachlich – und kontert mit Fakten. Die höheren Ausgaben seien nachvollziehbar und vor allem auf gestiegene Anforderungen zurückzuführen. Allein für die Sicherheit seien aufgrund zusätzlicher Auflagen über 100'000 Franken mehr angefallen als ursprünglich geplant. Auch die Energiekosten seien durch den grösseren Perimeter explodiert. Dennoch habe das OK Gegensteuer gegeben, Sponsoren mobilisiert, Anbieterbeiträge für externe Teilnehmer erhöht und am Ende einen Event auf die Beine gestellt, der ohne Eintritt für die Bevölkerung offen war – und dabei völlig friedlich und sauber verlief.
„Wir reden von 3.50 Franken pro Einwohner. Für ein sicheres, offenes und professionell organisiertes Fest ist das nicht zu viel verlangt“, sagt Hintermeister gegenüber zu24. Man habe mit viel Herzblut und grossem Einsatz etwas geschaffen, das die Stadt nicht nur begeistert, sondern auch vereint habe. „Wenn wir in Zukunft Feste in dieser Qualität wollen, müssen wir ehrlich sein: Das hat seinen Preis.“
Tatsächlich war die Resonanz in der Bevölkerung durchwegs positiv. Kein Eintritt, keine Gewalt, keine Eskalationen – dafür Musik, Begegnungen und Begeisterung. Die Vereinsumfrage zeigt, dass 63% der Vereine kostendeckend oder mit leichtem Gewinn und 34% der Bülacher Verein mit Gewinn abgeschlossen haben. Das Büüli-Fäscht 2025 wurde für viele zum Highlight des Jahres. Der Verein sieht sich nicht als Krisenverursacher, sondern als Garant für ein gelungenes Fest, das auf moderne Anforderungen Rücksicht nimmt und gleichzeitig den Charakter der Stadt bewahrt.
Die Debatte über das Defizit wird weitergehen – doch Jürg Hintermeister hat seine Haltung klar gemacht. Er steht zu seinem Team, zum Fest und zum Preis, den es gekostet hat. Bülach, das zeigt er unmissverständlich, hat für 3.50 Franken pro Kopf etwas Grosses bekommen. Und das soll es seiner Meinung nach auch in Zukunft wieder geben dürfen.