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27.11.2025

Terradura – so heisst das Schweizer Tiefenlager

Bild: Nagra
Fast 40 Prozent stimmten für «Terradura». Der neue Name für das Atommülllager sorgt für Zustimmung – und Kritik.

Das geologische Tiefenlager für radioaktive Abfälle der Schweiz trägt ab sofort den Namen Terradura – Geologisches Tiefenlager Schweiz. In einer öffentlichen Online-Abstimmung erhielt dieser Vorschlag den höchsten Zuspruch. Die Bezeichnung stammt aus dem Italienischen und bedeutet sinngemäss «feste Erde».

Der Namensfindungsprozess war Teil einer nationalen Beteiligungskampagne. Über 3’000 Vorschläge wurden eingereicht, aus denen eine Jury fünf Finalisten auswählte: ATLASuisse, Soluterra, Stadelnova, Peradina und Terradura. Knapp 40 Prozent der Stimmen entfielen auf den Siegernamen.

Das Tiefenlager bei Stadel im Zürcher Unterland gilt als Jahrhundertprojekt. Es soll rund 83’000 Kubikmeter radioaktiven Abfall aufnehmen – gelagert in über 800 Metern Tiefe und ausgelegt auf eine Dauer von einer Million Jahren. Ziel des Namensprozesses war es, der Öffentlichkeit einen einfacheren Zugang zu diesem komplexen Vorhaben zu ermöglichen.

Beteiligung mit Symbolkraft

Der neue Name wird in den kommenden Monaten schrittweise in die Kommunikation integriert. Unterstützt wurde der Prozess von einer neunköpfigen Jury, die neben Verständlichkeit auch Mehrsprachigkeit und Tragfähigkeit in den Mittelpunkt stellte. Der Abstimmungsprozess erreichte vor allem die Deutschschweiz, aber auch Stimmen aus der Romandie und dem Tessin flossen ein.

Kritik an der Wirkung des Namens

Nicht alle können der Wahl des neuen Namens etwas abgewinnen. Kritische Stimmen bemängeln, dass kreative Wortschöpfungen wie «Terradura» das eigentliche Risiko des Lagers verharmlosen könnten. Statt Verständlichkeit sei ein künstlicher Begriff gewählt worden, der Interpretationen nötig mache und nicht intuitiv erfassbar sei.

Auch der ausgelobte Hauptpreis – eine Flugreise nach Finnland zum dortigen Tiefenlager-Projekt – sorgte für Kritik. In Zeiten steigender Umweltbelastung wirke ein solcher Gewinn wenig durchdacht.

Zudem wird die Wahl eines völlig neuen Namens grundsätzlich infrage gestellt. Aus Sicht der Kritiker wäre der bereits bestehende Flurname Haberstal geeigneter gewesen – ein Begriff mit historischer Verankerung und direktem Bezug zum Standort.

 

Kritik am Namen «Terradura»

Wer kritisiert?
Verein LoTi (Lokale Transparenzinitiative Tiefenlager)
Regionale Gegnergruppen aus dem Zürcher Unterland

Kritikpunkte:
Der Name sei verharmlosend und nicht selbsterklärend
Wortneuschöpfungen wie «Terradura» seien nicht allgemeinverständlich
Der Begriff lenke vom gefährlichen Charakter des Projekts ab
Die Flugreise als Gewinn wirke klimafeindlich und sei nicht angemessen
Ein bestehender Flurname wie Haberstal hätte mehr lokale Identität und Verständlichkeit geboten

Langzeitsicherheit solle im Mittelpunkt stehen – nicht ein kommunikativ gefälliger Begriff

mj
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