In deutschen Grenzregionen wächst die Sorge um die Gesundheitsversorgung. Laut einer aktuellen Studie sei in Kliniken nahe der Schweizer Grenze die Sterblichkeit gestiegen. Die Badische Zeitung berichtet, dass besonders die Landkreise Waldshut, Lörrach, Breisgau-Hochschwarzwald und Freiburg betroffen sind.
Die Untersuchung stammt vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und dem Ifo-Institut in München. Demnach hätten die Kliniken seit 2011, nach der Stabilisierung des Franken-Kurses, im Schnitt rund zwölf Prozent ihres Pflegepersonals verloren – viele wechselten in die Schweiz, wo die Löhne attraktiver seien.
Die Forscher vergleichen die betroffenen Kreise mit ökonomisch und demographisch ähnlichen Regionen in Deutschland. Laut der Badischen Zeitung zeigen die Daten, dass die Pflegeintensität pro Patient um etwa zehn Prozent gesunken sei. Gleichzeitig habe sich die Wahrscheinlichkeit für chirurgische Eingriffe verringert.
Zwischen 2011 und 2017 sei die Sterblichkeit in den untersuchten Kliniken im Schnitt um fast fünf Prozent gestiegen. Besonders betroffen seien Notfall- und ältere Patienten. Bei Herzinfarkten habe die Sterblichkeit um bis zu 18 Prozent zugenommen, bei Sepsis um rund zwölf Prozent.
Ein Vertreter des Klinikums Hochrhein betonte laut BZ, die Studie mache strukturelle Risiken für Grenzregionen sichtbar. Auch andere Klinikleitungen fordern demnach politische Gegenmassnahmen, etwa einen finanziellen Grenzzuschlag für Pflegepersonal.
Einzelne Einrichtungen berichten laut Badischer Zeitung inzwischen von Rückkehrern aus der Schweiz. Ausschlaggebend seien hier verbesserte Aus- und Weiterbildungschancen. Ob sich daraus ein dauerhafter Trend ergibt, bleibt offen.
Die Studie deutet darauf hin, dass sich wirtschaftliche Unterschiede im Gesundheitswesen direkt auf die Lebensrealität der Menschen im Grenzgebiet auswirken – mit teilweise drastischen Folgen.