Die Spannung steigt, die Stimmung kippt – in Eglisau bahnt sich ein politisches Erdbeben an. Zwei Sitze im Gemeinderat sind vakant, doch gleich fünf Herausforderer wollen mehr. Mehr Einfluss. Mehr Transparenz. Mehr Mitsprache. Gleichzeitig steht auch der bestehende Gemeinderat unter Druck – nach einer Legislatur voller Konflikte, Fehltritte und Bürgerklatschen.
Die Lage ist ernst. Und am Mittwoch, 21. Januar, wird es öffentlich – beim grossen Wahlpodium im Schulhaus Steinboden.
Ein Gemeinderat im Gegenwind
Der aktuelle Gemeinderat ist angeschlagen. Immer wieder geriet er in den letzten Jahren in die Kritik: Mal fehlte das Fingerspitzengefühl, mal der Draht zur Bevölkerung. Die Ohrfeigen kamen postwendend – etwa bei der letzten Gemeindeversammlung, als die Stimmbevölkerung den Gemeinderat beim Thema „Schalthalle“ demonstrativ überstimmte. Auch das Hin und Her um die Pflegewohngruppe Kleeblatt sowie die hitzig geführte Diskussion rund um die Schliessung des Gasthofs Hirschen nagten am Vertrauen. Es muss aber auch erwähnt werden: Die Herausforderungen in Eglisau sind komplex. Jede Gemeinderätin und jeder Gemeinderat agieren mit Herzblut und hohem persönlichem Einsatz.
Roland Ruckstuhl, der amtierende Gemeindepräsident, will weitermachen – doch sein Führungsstil steht ebenso zur Debatte wie das gesamte Wir-Gefühl im Gremium. Felix Baader, Schulpräsidentin Sandrine Haas, Nando Oberli und Regula Peter stellen sich ebenfalls der Wiederwahl. Nun werden die Karten neu gemischt – mit neuen Namen und neuen Ansätzen.
Die Herausforderer stehen bereit
Fünf Männer wollen den alten Strukturen den Kampf ansagen:
– Sven Patrick Stecher (Die Mitte) kommt mit neuem Fokus zurück. Nach seiner Niederlage 2022 verzichtet er diesmal auf das Präsidium – und will statt Macht vor allem Vertrauen gewinnen. Seine Mission: die Verwaltung neu ausrichten und das Verbindende stärken.
– Andreas Walther (SVP) will nicht mehr nur zusehen – sondern anpacken. Der Polizist sieht Verkehr, Gemeindefinanzen und Asylwesen als drängende Probleme. Seine Lösung: eine Politik des gesunden Menschenverstands, mit klarer Linie und konsequentem Blick auf Sicherheit und Budget.
– Peter Bolli (parteilos) bringt acht Jahre RPK-Erfahrung mit – und die Wut über zu wenig Einfluss. Er will aus der zweiten Reihe nach vorn, Reformen anstossen und vor allem bei Finanzen und Pflege klare Prioritäten setzen.
– Michael Fiebig (GLP) ist der strategische Vordenker im Feld. Mit Wurzeln in der nachhaltigen Finanzbranche setzt er auf moderne Mobilität, soziale Integration und generationenübergreifendes Zusammenleben. Kein Lautsprecher – aber ein Visionär mit Bodenhaftung.
– Christoph Hagedorn (parteilos) bringt das Lokalkolorit. Als Präsident von „Viva Eglisau“ kennt er die Sorgen im Städtli – und will Bürgerbeteiligung neu denken. Wenig Theorie, viel Praxis, maximale Nähe zum Alltag der Menschen.
Auch Schulpflege, RPK, BAPF und Sozialbehörde im Fokus
Nicht nur der Gemeinderat wird neu besetzt – auch weitere zentrale Behörden stehen zur Wahl. Besonders im Fokus: die Schulpflege. Hier entscheidet sich, wie Eglisau künftig mit Themen wie Stufenschulhäusern, Schulwegsicherheit und dem wachsenden Bildungsbedarf umgeht. Mit Sandrine Haas, Panorea Braunschweiler, Ilona Haderer und Zeinab Nasser-Zadeh treten vier bisherige Mitglieder erneut an. Neu kandidieren Heiko Mattmann, Daniel Stotz und Lukas Wiede. Für das Präsidium ist die bisherige Amtsinhaberin Sandrine Haas nominiert.
Doch damit nicht genug: Auch die Rechnungsprüfungskommission (RPK), die Behörde für Alters- und Pflegefragen (BAPF) sowie die Sozialbehörde werden neu gewählt. Die jeweiligen Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich ebenfalls am Mittwoch vor.
Das Wahlpodium bietet also nicht nur spannende Einblicke in den Kampf um den Gemeinderat – sondern auch in die Zukunft all jener Gremien, die Eglisau tagtäglich prägen. Wer mitreden will, sollte sich diesen Abend nicht entgehen lassen.
Der Showdown am Mittwoch
Das Wahlpodium wird zum ersten grossen Gradmesser: Wer kann überzeugen? Wer bleibt vage? Wer weicht aus – und wer zeigt Führungsstärke? Die Bevölkerung hat die einmalige Gelegenheit, die fünf Herausforderer – und auch die bisherigen Ratsmitglieder – im direkten Vergleich zu erleben. Ohne Filter, ohne Floskeln.
Wahlpodium Eglisau
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Wann: Mittwoch, 21. Januar 2026
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Wo: Schulhaus Steinboden, Eglisau (barrierefrei)
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Beginn: 19:30 Uhr (mit Begrüssung durch die IPK-Präsidentin)
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Ab 21:00 Uhr: Apéro, Gespräche, Meinungsbildung
- Moderation: Marc Jäggi
Eglisau steht am Wendepunkt. Der Gemeinderat wankt, fünf Neue drängen nach – und die Bevölkerung schaut ganz genau hin. Wer Eglisau wirklich bewegen will, muss sich am Mittwoch der Realität stellen. Wer Antworten sucht, sollte dabei sein. Denn dieser Abend entscheidet mit, wie es weitergeht – im Gemeindehaus, im Städtli und in den Köpfen der Menschen.